Inzwischen ist schon wieder einige Zeit vergangen und der Alltag setzt langsam ein. Die Tage vergehen trotzdem wie im Flug! Als Kim, Jule und ich letzten Donnerstag zu unserer ersten Chorprobe gingen, wurden wir wie immer herzlich aufgenommen. Sogar so herzlich, dass wir gleich eingeladen wurden, den Chor zwei Tage später zu begleiten. Unsere einzige Information war, dass ein deutscher Chor da sein würde, mit dem wir gemeinsam singen würden.

Samstagmittag kamen wir dann – ohne jegliche Liedtexte oder Noten – an der Kirche an und waren bereit loszufahren, aber wie wir das schon kennen, mussten wir uns erst einmal etwas gedulden. Unseren Mitsängern, vor allem den Älteren, konnte man die Nervosität schon anmerken, es sollte wohl doch etwas Größeres werden. Nach einer kurzen Probe fuhren wir dann endlich los nach Marangu, wo wir nicht nur einen Kieler Chor, sondern auch drei andere Chöre aus der Region antrafen. Die Stimmung war super und die Musik wirklich schön. Mein Lieblingslied hat jeder der Chöre gelernt und es wurde zu Beginn mit allen gemeinsam gesungen. Danach hat jeder sein eigenes „Repertoire“ präsentiert. Wir drei konnten einige leider nicht mitsingen und standen grinsend zwischen den anderen.

Sonntag durften wir dann auch vorne beim Chor sitzen und mitsingen. Heute genauso. Da der Gottesdienst letzte Woche schon sehr langwierig war, dachten wir, heute würde es weniger lange dauern, aber dem war nicht so: Morgen ist Reformationstag und deshalb fand auch noch ein Abendmahl statt.
Ich hatte ja schon berichtet, dass Nancys Geburtstagswunsch, einen Charity Day in der Behinderteneinrichtung hier in Uuwo zu organisieren, an dem Tag leider nicht klappte. Aber eine Woche nachdem sie wieder nach Daressalam zum Studieren gefahren ist, stand sie völlig unerwartet morgens in der Küche und am nächsten Tag sollte der Tag stattfinden.

Am Nachmittag, nachdem wir alles auf dem Markt gekauft haben, gingen die Vorbereitungen für Nancy, Cousin, Jule und mich weiter. Zu viert haben wir unser Abendbrot gekocht und danach Maandazi, Brot und Cookies für den nächsten Tag gebacken.

Als wir morgens dort ankamen, wurden wir mit Neugierde, erstmal schüchtern und beobachtend empfangen. Es dauerte nicht lange, da standen noch mal doppelt so viele Kinder vor der Tür, die uns teilweise schon vom Spielen an der Kiumako kannten. Nach vier Stunden essen, spielen, essen, spielen ging der Tag dann erfolgreich zu Ende und ich denke, dass es nicht nur bei einem bleiben wird!

Bei der Arbeit an den Schulen wird es langsam immer besser. Vor allem die Schüler an der Kiumako kennen uns mittlerweile und wenn man ihnen auf dem Weg zum Markt oder wo anders begegnet, grüßen sie uns mit Namen oder drehen sich nach Überlegen nochmal um. Das breite Grinsen von einigen ist echt total schön zu sehen. Genauso wie die kleinen Kinder auf unserem Standardweg überall hin, die schreiend auf uns zu laufen und uns mit ihrer Wucht fast umhauen.

Jetzt aber mal mehr zu den Projekten: Zweimal die Woche haben die älteren Schüler der Kiumako eine Stunde für Sport und Spiele und einmal die jüngere Pre-Form, die zur Zeit nur zur Vorbereitung auf die eigentliche Secondary an der Schule ist. Da die Pre-Form aus 60 Schülerinnen und Schülern besteht, haben wir zwei Stunden hintereinander und jeweils die Hälfte der Schüler. Meistens spielen wir einfach mit ihnen, egal ob Merkball, Völkerball, Brennball, Basketball, Fußball, Volleyball… Ballsportarten sind hier wirklich beliebt. Als wir in eine Stunde Turnen eingebaut haben, waren viele viel zurückhaltender und hatten gefühlt keine Lust, weil sie so etwas nicht kannten. Andere wiederum hatten total Spaß und waren wirklich gut.

Am schönsten fand ich bisher die erste Sportstunde an der Mwika Primary. Die kleinen Jungen und Mädchen sind einfach so lieb und süß. Die Jungs haben einen Fußball bekommen, eigenständig  Teams gebildet und dann komplette 40 Minuten durchgespielt. Die Mädchen und restlichen Jungs haben entweder selbst Spiele gespielt oder waren bei mir und Jule beim Seilspringen mit einem großen Tau. Es ist echt schön zu sehen, wie es ihnen einfach nicht langweilig wird und sie dann alleine, zu dritt und auch zu viert Choreographien beim Springen erfinden.

An derselben Schule waren wir nun auch schon zweimal für eine Fächerkombination, die wir uns nicht erklären können: Geographie, Mathe, Computer. Welche Klasse wir nehmen sollten, war uns überlassen. Der Haken daran: Klasse sechs muss sich auf irgendetwas vorbereiten, weshalb wir sie nur in der ersten Woche unterrichten konnten. Diese Woche hatten wir dann die fünfte Klasse, mit der wir anstatt eineinhalb nur eine Stunde hatten.

Die Absprachen hier sind wirklich tansanisch und ungewohnt. Meistens sind Jule und ich einfach am Schmunzeln und den ganzen Rückweg am Lachen, weil es so komisch ist: An einem Tag wird gesagt, wir könnten diese Klasse nicht unterrichten, am nächsten Tag stehen wir vor der Klasse und danach wird wieder gesagt, dass wir die Klasse nächste Woche wechseln müssten. Alles kein Problem, wir fangen ja gerade erst an und man kann vieles schnell umplanen oder einfach dasselbe mit der anderen, neuen Klasse machen. Aber vor allem an der Kiumako ist es schwer, Absprachen zu machen. Entweder die Schülerinnen und Schüler sind noch in der Klasse und der Unterricht wird sobald wir kommen abrupt für eine Stunde unterbrochen oder ganz geschlossen oder wir kommen und es heißt, wir hätten doch schon eine halbe Stunde früher anfangen sollen. Der für uns angefertigte Stundenplan ist manchmal also nicht ein ganz so guter Anhaltspunkt und die Änderungen werden entweder nicht übernommen oder vergessen. Als wir letzte Woche verständlich machen wollten, dass unsere Stunde jetzt endet und die Klasse doch die Stunden getauscht und somit Geschichte hätte, wurden alle in den Klassenraum geschickt und uns mitgeteilt, dass sie bereit für Geschichte wären. Unsere untereinander ausgetauschten Blicke und die Situation war wieder zum Beäumeln: Weil der Geschichtslehrer schon zu Hause war, dachte man sich, dass wir ja den Unterricht machen könnten. Als wir mit der Begründung, dass wir ja garnicht das Thema kannten, dankend ablehnten zu unterrichten, wurde uns gesagt, das sei in Ordnung und wir könnten dann jetzt auch gehen, wenn wir den Schülern nichts anderes mehr mitzuteilen hätten. Was die Klasse jetzt in der letzten Stunde gemacht hat, ist uns ein Rätsel…
Naja, sonst geht es mir immer noch gut und das Leben hier ist auch super. Bei Bibi und Babu sind einige von uns jetzt schon mehrmals zum Melken gewesen; wir zapfen uns also unsere eigene Milch für zu Hause. Kluthilde lebt auch noch und hat uns ein Ei geschenkt!  Der Strom fällt mittlerweile jeden Tag für einige Stunden aus, sei es abends oder mittags, aber dann gibt es einfach ein Candlelight-Dinner. Wenn wir nach dem Essen dann noch zusammen im Dunklen alte Lieder singen, kann man sich nichts Schöneres vorstellen!

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